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Geologie des Malawirifts

Zusammen mit den malawischen Partnern des Antiquities Department in Lilongwe machte sich das HCRP-Team 1983 auf, um fossilführende Schichten zu suchen, allerdings erst mal auf einer geologischen Karte. Voraussetzung für die Grabungsarbeit in Malawi war das Auffinden von Sedimentgesteinen des Plio-Pleistozän, also von Erdschichten die zirka fünf bis eine Million Jahre alt waren - so alt wie unsere ersten Vorfahren. Aufgrund von Satellitenaufnahmen und geologischen Berichten, die noch aus der Kolonialzeit stammten, lokalisierten wir unser zukünftiges Fossiliengrabungsgebiet.

Die Entstehung solcher Fossilienlagerstätten ist an die lokalen geologischen Bedingungen geknüpft. Nur wenn ein Ablagerungsgebiet zur Verfügung steht, in dem dort zerfallende oder antransportierte Skelettreste von Sediment überlagert und so vor weiterer Verwitterung geschützt werden, kann der Fossilisationsprozeß in Gang kommen. Potentiell gute Sedimentationsgebiete sind große, langsam absinkende Becken, wie sie beispielsweise im ostafrikanischen Grabenbruch durch das Auseinanderdriften der kontinentalen Erdkruste entstehen. Häufig wurden Fragmente ehemaliger Lebewesen in die von den Grabenschultern durch Flüsse eintransportierten Sande eingebettet und mit zunehmender Überdeckung, zum Beispiel in Deltabereichen, fossilisiert. Diese Fossilien sind heute zugänglich, weil vor geologisch kurzer Zeit die eingesunkenen Blöcke durch seitliche Einengung des Grabens teilweise wieder herausgehoben wurden. Die heute an der Oberfläche liegenden Schichten werden durch Flüsse ausgewaschen, so daß die Fossilien zutage treten.



Entscheidend beigetragen zu unseren ersten grundlegenden Arbeiten zur geologischen Geschichte des Malawi Rifts haben vor allem Uwe Ring, unser Tektoniker und Christian Betzler, der Sedimentologe. Alle Fundstellen wurden so sedimentologisch und tektonisch untersucht. Für die zeitliche Einstufung der geborgenen Fossilien musste dann ihre ursprüngliche Lage in der geologischen Schichtfolge rekonstruiert werden. Die im Fundgebiet vorliegende Stratigraphie wird anhand geologischer Profile ermittelt und beschreibt den genauen Aufbau der geologischen Schichten. Hieraus läßt sich die Beschaffenheit des ursprünglichen Ablagerungsraumes während eines bestimmten Zeitraum erschließen. Besonders wichtig war die Tatsache, daß in dem 80 Kilometer langen und 10 Kilometer breiten Streifen im Norden Malawis die im Laufe der letzten fünf Millionen Jahren tief abgesunkenen älteren Schichten mit eingelagerten Resten von Lebewesen, inklusive unserer Vorfahren, vor ungefähr 500 000 Jahren durch eine Erdbewegung in der Art einer Quetschung des nördlichen Malawi-Rifts wieder nach oben gehoben, und so an der Oberfläche zugänglich geworden waren. So zumindest das Ergebnis der Arbeiten von Uwe Ring und Christian Betzler. Ihren Resultaten zufolge hat sich das Malawi-Rift bereits vor 8 Millionen Jahren gebildet – eine Feststellung, die letztendlich erklärte, warum viele unserer Fossilien in nicht ganz einwandfreiem Zustand gefunden wurden. Die vielen Muschel- und Fischfunde, die wir in den folgenden Jahren noch machen sollten, ließen außerdem keinen Zweifel daran, daß es auch damals schon einen See gegeben haben mußte.

Wir nahmen an, daß dieser Graben die schmalst mögliche Wanderroute der Hominiden zwischen den weit auseinander liegenden Hauptfundgebieten von Vertretern der Gattung Homo darstellte. Da wir die Veränderung des Lebensraums und der Tierwelt sowie die Ausbreitungswege rekonstruieren wollten, gab es zum Malawi-Rift keine Alternative, mochte die Fossilerhaltung und die Fossildichte auch noch so dürftig sein. Beides sollte sich bereits in unserer ersten Grabungssaison bestätigen: Die Fossilien sind dort überwiegend stark fragmentiert, denn zur Zeit ihrer Einbettung war der Graben noch schmal und steilwandig, sie liefern aber dennoch wesentliche Erkenntnisse zur Biogeographie und zur Rolle des Klimawechsels in der Evolution des Menschen.



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