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Palaeo-
Anthropologie
UR 501


Palaeo-
Anthropologie
RC 911

Datierung

Neben der Rekonstruktion des ehemaligen Lebensraumes spielt auch die Datierung eine außerordentlich wichtige Rolle in der Interpretation von Fossilien. Interessanterweise sind es Schweinefossilien, die den Schlüssel für die Datierung von Hominidenfunden bilden. Warum das so ist, ist schnell erklärt. Datierungsfähiges Material für radiometrische Altersbestimmungen – also die Messung von Substanzen z.B. vulkanischen Ursprungs, die Strahlung abgeben - gibt es in Nord-Malawi nicht



Steht allerdings kein datierungsfähiges Material zur Verfügung, werden - wie in Nordmalawi - relative Datierungsmethoden angewandt. Und jetzt kommen die Schweine ins Spiel: Diese relative Datierung der Faunen – also der Tiere - wird dann angewandt, wenn Fossilien gefunden werden, die einer sich rasch verändernden Tiergruppe angehören. In Afrika sind dies vor allem die Schweine. Besonders die dritten Backenzähne der urzeitlichen Busch- und Riesenschweine haben sich in den letzten 4 Millionen Jahren deutlich verändert – und zwar von breiten, aber dafür relativ niedrigen Zähnen zu extrem hochkronigen, schmalen Kauwerkzeugen.

Schon seit Jahrzehnten helfen fossile Schweineübereste bei der Interpretation von Hominidenfunden im Plio-Pleistozän Afrikas. Die Fossilien der ausgestorbenen Savannen- und Buschschweine dienen zur relativen Datierung (Biostratigraphie) und können bei der Rekonstruktion der Umweltbedingungen zu Lebzeiten von Vor- und Urmenschen einen wichtigen Beitrag liefern. Somit spielt das allgegenwärtige Schwein nicht nur in unserem heutigen Leben eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Erforschung unseres Entwicklungsweges. Natürlich waren die Schweine im Plio-Pleistozän noch nicht domestiziert, sondern lebten oft in größeren Herden in nahezu alle Landschaftstypen Afrikas. Möglicherweise waren sie sogar Nahrungskonkurrenten unserer Vorfahren. Durch den Artenreichtum der Wildschweine und ihren raschen Evolutionsfortschritt, vor allem in der Umgestaltung ihrer Backenzähne, zählen sie heute zu den wichtigsten Leitfossilien an afrikanischen Hominidenfundorten. Die Verlängerung und Erhöhung ihrer hinteren Backenzähne wird als Reaktion auf veränderte Umwelt- und Nahrungsverhältnisse gedeutet.



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